Stadtrand

Die Polizei, dein Freund und Helfer

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Neulich auf der Mariahilfer Straße: Im vorweihnachtlichen Gedränge ertönt gellendes Kindergeschrei. Es ist die Stimme eines Kindes, das in fremder Sprache mächtig Wirbel macht. Die träge Masse ist alarmiert: Wo ist der gequälte Wurm? Was wird ihm angetan? Kreuzung Mahü, Kirchengasse taucht dann der Schreihals auf: Ein etwa achtjähriger afrikanischer Bub, trotz Kälte nur in T-Shirt und Pulli, will sich auf die befahrene Straße stürzen. Hinter ihm her laufen fünf Polizisten. Einer bekommt ihn am Leiberl zu fassen. Der Bub brüllt, als ginge es um sein Leben. Aha. Also ein Abschiebungsdrama am helllichten Tag! Eine alte Dame, ein Mann im Anzug, zwei Punkmädchen, eine Mutter mit Kleinkind und ein Bursche stellen die Polizisten und drängen sich zwischen sie und das Kind: "Was macht ihr da, Kieberer?! Dienstnummern!“ Es stellt sich heraus, der Bub ist straßenbekannt: So oft läuft er seiner Mutter davon. Die Beamten wollten ihn zurückbringen. Aber die Polizei als Freund und Helfer eines schwarzen Kindes? Da traut man seinen Augen kaum. Doppelt verkehrte Welt!


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