Ins Mark

Brennen muss die Rede!

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Über die Fehde, die Peter Weibel, der geschasste Chefkurator der Neuen Galerie, mit dem Intendanten des Universalmuseum Joanneum (UMJ), Peter Pakesch, zu führen wusste, wurde vor der Eröffnung des Grazer Joanneumsviertel hinlänglich berichtet. Der Neuen Galerie wurde als Teil des UMJ die Autonomie entzogen, Weibel wird Graz den Rücken kehren. Die drei sehenswerten Eröffnungsausstellungen des Viertels (siehe Falter:Woche S. 56) wurden allerdings noch unter seiner Aufsicht gesetzt.

Weibel machte auch Wirbel, weil er im Zuge der Einweihung bloß bei einer Preview zu Wort kommen durfte. Dort teilte er allerdings genüsslich in Richtung Pakesch und Kulturlandesrat Christian Buchmann (ÖVP) aus. Gut, es lässt sich darüber streiten, ob er es nötig gehabt hätte, unter die Gürtellinie zu zielen. Buchmann würde in der Szene bloß "Buhmann“ gerufen, war da zu hören. Und dass er, Weibel, sich ausgebootet und Pakesch einem Machtrausch verfallen sehe. Dass die Stadt mit prunkvollen Häusern für Kunst und Kultur nun gut aufgestellt ist, ist Anlass zur Freude. Nicht aber, dass Graz mit Weibel ein kaum ersetzbarer Ausstellungsmacher und ein Gegenpol zur Machtkonzentration im UMJ abhanden kommt.

Jedenfalls verhalf Weibel der hier verschütt gegangenen Tradition der gehobenen Büttenrede eindrucksvoll zu ihrem Recht. Nicht von ungefähr berief er sich auf Thomas Bernhard. In der Tat sollten Bernhards gesammelte Schmähreden "Meine Preise“ ein Inspirationsquell jedes Festredners sein. In Eröffnungselogen wurde in den letzten Jahren über Gebühr weichgezeichnet. Vielleicht läutet Weibels Auftritt ja die Renaissance der Brandrede ein.


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