Phettbergs Predigtdienst

De facto bin ich im Hirn obdachlos

Kolumnen | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Frau Göbel war heute heimhilfen bei mir und hat mir einen Rollator gebracht, nun thront mein ganzer Fuhrpark im Stockwerk! Und Frau Wagner von der Ordination Dr. Aschauer hat mit einem Taxiunternehmen gesprochen, das morgen um 6.30 Uhr an meiner Gegensprechanlage anläuten wird! Endlich kann ich ruhig nächtigen, zur Not weckt mich das Taxi auf! Ist die Not am größten, ist die Hilfe am nächsten!

Zu Recht hat NAC-HI (Dr. WERNER NACHBAGAUER) "mich“ heraus-ge-schnuppert, denn sein Buch "was bleibt“ erscheint am Donnerstag, 1. Dezember 2011, gestaltet von Obdachlosys, die das Nächtigerquartier Haus Otto im Otto-Wagner-Spital fotografiert und mit einem Erlebnisaufsatz bedacht haben, nun rennt NAC-HI kreuz und quer durch Wien und sucht seine damaligen Obdachlosen. Wie ich nur von meinem Computer obdachlos bin, sind das aber tatsächliche Obdachlose, ausgestattet mit einem Ausweis der Gemeinde Wien, die an dem Tag, wo die Fotoapparate verteilt wurden, nächtigten.

Gott sei Dank bin ich schwul, suchte die Liebe meines Vaters, die zu erobern mir nie gelang, obwohl ich ihn so gern gehabt hätte! Und machte immer dann das glatte Gegenteil, was Vata tat! Er rauchte, ich Gott sei Dank daher nie, er trank, ich dann Gott sei Dank nie, so kam ich mit einer gelinden Art von Schlaganfällen, Hirnblutungen davon. Ich wohn dank meines Sachwalters und dank des Falter beheizt und be-computert, aber bin de facto im Hirn obdachlos! Das Einzige, was ich hab, ist mein Name und der ist real nur mehr, was ich da jeden Tag gestioniere plus meine Vergangenheit.

Als NAC-HI gestern am Abend bei seinem verzweifelten Versuch, die Autoren und Fotografen des "was bleibt“ zu suchen, erschöpft bei mir war, war er knapp vorm Weinen. Nein, NAC-HI weinte nicht real, aber eben fast, ich merkte seiner Stimme an, dass das für NAC-HI eine große soziale Wichtigkeit hat. "was bleibt“ gibt es zum Selbstkostenpreis von 22 Euro! Vernissage & Buchpräsentation: Do, 1. Dezember 2011, 18 Uhr, Ort: 15., Alte Schieberkammer der Wiener Wasserwerke, Meiselmarkt, U3 Johnstraße, Eröffnung: Peter Patzak, freies Buffet: Eintopf & Tee, www.wasbleibt.at.

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