Fragen Sie Frau Andrea

Dreimal Toi und nie Macbeth

Kolumnen | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Liebe Frau Andrea,

ich traf gestern auf der Straße eine schreibende Kollegin, sie war unterwegs zu einer Lesung in einem kleinen Wiener Theater. Auf mein herzliches "Toi, toi, toi“ antwortete sie mir freudestrahlend mit "Vielen Dank!“. Das bringt doch Unglück, oder?

Denise Hirsch, Döbling, per Bernsteinfunkennachricht

Liebe Denise,

Sie dürfen sich Sorgen machen. Obwohl ich mich als aufgeklärte Person begreife, führe ich mit dem Aberglauben eine Fernbeziehung. Lange Jahre am Theater haben mich gelehrt, die No-nos der Bühne ernst zu nehmen. "Toi, toi, toi“ bedeutet eigentlich das dreimalige (verballhornte) Anrufen des Teufels. Eine richtige Antwort darauf wäre "Hals- und Beinbruch“ (vom jiddischen hasloche un’ broche - Glück und Segen). "Danke“ jedenfalls zieht Unglück an. Fürs nächste Mal möchten Sie Ihre Freundin auch vor anderen Punkten aus dem Katechismus des Theateraberglaubens warnen. Unglück bringt das Pfeifen auf der Bühne, es erinnert an das Geräusch brandgefährlich pfeifender Gaslampen. Unglück bringt das Lugen durch den Vorhang vor dessen Aufgehen sowie das Proben an Sonntagen. Verboten sind die Farben Gelb und Grün, diese sind des Teufels. Pech bringen echte Spiegel, das Tragen des eigenen Hutes, frische Blumen sowie Pfauenfedern und andere Requisiten mit Augen - diese haben den bösen Blick. Das Aussprechen des Wortes Strick für Seil bringt Unglück, wohl wegen der beliebten Schauspieler-Selbstmord-Variante, sich im Schnürboden zu erhängen. Ebenso ist das Stricken verpönt, dies wegen der spitzen Nadeln. Großes Unglück bringt das Vortragen der letzten Zeile des Stückes vor der Premiere. Detto Applaus bei der Generalprobe. Als schlechtes Omen für die bevorstehende Vorstellung wird gedeutet, wenn sich der erste Zuschauer, der den Theatersaal betritt, in die erste Reihe setzt, oder wenn es sich beim ersten Zuschauer um eine alte Frau handelt. Sitzt ein Rothaariger in der ersten Reihe, muss der Vorhang noch einmal heruntergelassen werden. Ganz schlimm ist es, in einem Theater den Namen "Macbeth“ zu nennen oder ihn generell in einem Gespräch über Theater zu erwähnen. Englischsprachige Schauspieler sprechen daher generell von "that Scottish play“. Zuletzt sei beherzigt: Theaterfick bringt selten Glick.


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