Theater  Kritiken

Elfriede Jelinek wirft die Pointenschleuder an

Lexikon | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Dass das Verb "kommen“ auch eine sexuelle Konnotation hat, bietet im Alltag immer wieder Gelegenheit für frivole Pointen. Auch Elfriede Jelinek, die generell kaum einen Kalauer auslässt, kann da nicht widerstehen. "Seien Sie doch nicht gar so förmlich, sonst komme ich noch zu Ihnen!“, sagt Mrs. Cheveley in Jelineks neuer Oscar-Wilde-Bearbeitung "Der ideale Mann“ im Akademietheater. "Und ich glaube, in England ist es einfach nicht üblich, dass die Frau kommt.“ Guter Witz. Aber dass die Doppelbedeutung gleich drei Mal genutzt wird, ist des Guten dann doch etwas zu viel.

Sechs Jahre nach "Bunbury“ ("Ernst ist das Leben“, 2005) hat sich Elfriede Jelinek nun also "An Ideal Husband“ vorgenommen. Es ist keine Übersetzung (dafür zeichnet Karin Rausch verantwortlich), und für eine Nachdichtung bleibt Jelinek zu nah am Original; "Nachsetzung“ oder "Überdichtung“ wären der passendere Begriffe für einen Vorgang, bei dem Jelinek Wildes maliziöse Sottisen mit ihrer sprachkritischen Pointenschleuder beschießt. Auch naheliegende politische Aktualisierungen lässt sie nicht aus: Kern der Komödie ist ein Insidergeschäft in Zusammenhang mit dem Bau des Suez-Kanals, an dem die Karriere des Abgeordneten Sir Robert Chiltern zu scheitern droht.

Bei Jelinek wird aus dem Suez- ein "Hyper-Alpen-Kanal“, und in Barbara Freys Inszenierung ist Michael Maertens als Sir Robert folgerichtig mit formvollendeter KHG-Fönwelle ausgestattet. Auch bei seiner Frau ( Katharina Lorenz) mag man entfernt an eine lebende Person denken; als Kommentar zur Skandalrepublik aber geht die Veranstaltung dann doch nicht durch. Auf Bettina Meyers monumentaler Bühne, in deren Zentrum eine Nachbildung der Burgtheater-Feststiege steht, wird eine exzellent besetzte Salonkomödie gegeben. Wer will, kann, äh, kommen. WK

Akademietheater, Di 19.30, Do 19.00


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