Kunst Kritik

Neue Galerie: von West nach Ost

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

In Innsbruck sind sie die erste Adresse für zeitgenössische Kunst. Nun hat das Galeristenpaar Elisabeth und Klaus Thoman auch in Wien einen Raum. Und was für einen! Auf der Seilerstätte 7, wo einmal der British Bookshop war, eröffnete eine der schönsten Galerien Wiens. Gleich gegenüber residiert Ursula Krinzinger, auch sie Innsbruckerin, die es einst vom Föhn Richtung Hochnebel zog. Im Gepäck haben sie Tiroler Künstler, etwa Christoph Hinterhuber, Thomas Feuerstein oder Maria Brunner.

Für die Eröffnungsschau wählten die Thomans den Schweizer Künstler John M Armleder aus. In seinen "furniture sculptures“ kombiniert er geometrisch-abstrakte Gemälde mit Möbeln. Die neue Arbeit "Jelinek“ umfasst ein Streifenbild und Neonluster aus dem Wiener Café Jelinek. In dem von bogenförmigen Fensteröffnungen bestimmten Raum liegen - als Hommage an die Schönheit aus dem Zusammenhang gerissener Objekte - rote Teppichrollen. Auch mehrere übereinander gestapelte Tische folgen der Logik des Readymades: In einem Kunstkontext bekommen Dinge Gewicht, die im Alltag unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen. In einem weiteren Raum der Ausstellung "late“ sind organisch geformte Glasskulpturen zu sehen, die für eine Show in der Peggy Guggenheim Collection in Venedig produziert wurden. Die Wände sind dort von einem Muster überzogen, dessen Motiv ein kopfloser Clown ist. Mit Armleder wird in dieser opulenten Schau ein in Wien lange nicht gesehener Künstler vorgestellt, dessen Werk in den 80er-Jahren den fröhlichen Rückgriff auf das Erbe avantgardistischer Kunst repräsentiert. In einer Zeit des boomenden Kunstmarktes konnte die Kunst dicker, bunter, auch zynischer werden. Fast wie heute. Den Neowienern ist ein kräftiger Auftakt gelungen. Willkommen!

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, bis 3.3.


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