Das Joanneumsviertel steht ganz im Zeichen der Moderne

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 48/11 vom 30.11.2011

Zu ihrer Neueröffnung im Joanneumsviertel hat die Neue Galerie ihre Sammlung neu geordnet ("Moderne: Selbstmord der Kunst?“) und dem heimischen Ausnahmekünstler Günter Brus ein eigenes Museum, das Bruseum, eingerichtet. Obendrein feiert sie Hans Hollein, den einzigen Pritzkerpreisträger Österreichs, mit einer Personale, die deutlich macht, wo das Präfix "Universal“ abseits von Versandhauskategorien noch wahre Berechtigung hat. Das klingt nach viel, trotzdem ist man in einer Stunde durch. Denn zur Leseerleichterung dient ein Konzept, das die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts in einer eher einfachen Formel zusammenfasst: Repräsentation habe sich 1913 aufgespalten in Abstraktion (die Selbstdarstellung künstlerischer Mittel) und Realität (die Selbstdarstellung des Dinglichen).

Also folgt Thomas Enders Darstellung eines Wasserfalls das Video des echten, den Olafur Eliasson 1998 im Hof der Neuen Galerie installiert hat, einem "Stillleben mit Roastbeef“ von Edmund Pick-Morino die "Sausages II“ in Formaldehyd von Damien Hirst, Otto von Thorens Genrebild "In der Puszta“ die Pferdedecke aus Filz von Joseph Beuys. Auch das Œuvre von Günter Brus lässt sich auf den Gegensatz von Bemalung und Selbstbemalung herunterbrechen. Und es schließt gut an die Körper-Abteilung der in den Bruseumsflügel überschwappenden Sammlungsausstellung an. Natürlich ist die nicht frei von Lücken. So wird etwa nicht klar, wie das Medium Fotografie in die Formel zu bringen ist. Die drei Materialschlachten werden von eben so vielen Ziegeln von Katalogen begleitet - Schlusssteine einer Ära (s. Kommentar Falter S. 51).


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