Vor 20 Jahren im Falter 

Wie wir wurden, was wir waren

Blumenköpfe

FALTER & Meinung | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Kaum war er Essayist beim Falter geworden - Klaus Nüchtern hatte ihn dafür gewonnen -, da starb er auf der Reise in seine Geburtsstadt Prag bei einem Autounfall: der altösterreichisch-brasilianische Medienphilosoph Vilém Flusser. Nüchtern hatte mit ihm ein Interview geführt, das dann auch als Buch erschien, und zum Abschied veröffentlichte er daraus einige Zitate. Sehr schön dieses: "Ich bin das, was ich, Ich‘ nenne, doch nur, wenn ich mich mit Ihnen unterhalte oder wenn ich schreibe oder wenn ich Schach spiele oder wenn ich auf meine Frau warte. Ich bin doch nicht ich, wenn ich ich bin, da bin ich nix.“

Ein anderer Todesfall war gleichfalls zu beklagen, allerdings lag er etwas weiter zurück, sodass das Klagen aufgrund des runden Jahrestags in Jubel umzuschlagen drohte. Am 5. Dezember 1791 war der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart gestorben. Die Konsequenz war ebenso klar wie bedrohlich: Ein Monstermozartjubiläum stand ins Haus.

Dem Schatten dieses dunklen Ereignisses setzte der Falter zwei Glanzlichtlein entgegen. Einmal eine ganzseitige, gezeichnete Satire von Ivan Klein "W.A. Mozart - ein Künstlerleben für einen Blumenkopf“ (André Heller hatte einen solchen entworfen, und die Schönbrunner Gärtner versprachen, ihn aus 3500 bunten Blumen erblühen zu lassen). Klein: "Unbedankt, verbittert und bis obenhin voll mit Nougat und Marzipan starb er (Mozart, Anm.) in jungen Jahren und hinterließ der Nachwelt jede Menge weißer Papierbögen mit schwarzen Punkten …“

Peter Melichar stellte als Hauptstück unter dem Titel "Ich bin kein Pursch“ eine Collage von Zitaten aus Mozart-Briefen zusammen. Sein "angestrengtes Arbeiten“ und sein "Geschwindleben in übel gewählter Gesellschaft“ machten Mozarts Leben ein schnelles Ende, beschleunigt noch durch mangelnde Anerkennung seiner Zeitgenossen. Die Zeitgenossen, das sind immer die anderen. Wir hätten es natürlich besser gewusst! aT


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