Kolumne  Außenpolitik

Die Demokratie in Arabien muss noch ihren eigenen Weg finden

FALTER & Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Die befreiten arabischen Gesellschaften sehen anders aus, als die liberale westliche Öffentlichkeit es sich erhofft hatte. Überall, wo freie Wahlen stattfinden, kommen tief religiös geprägte Gesellschaften zum Vorschein, die für islamistische Parteien stimmen. Auf die arabisch-nationalistischen Regime folgen jetzt Regierungen, die sich am politischen Islam orientieren. Es stellt sich die Frage, inwieweit dieser sich in einem demokratischen Rahmen entfalten oder ebenfalls autoritäre Formen annehmen wird.

Das parlamentarische Gewicht der jungen Revolutionäre, die im Frühjahr die Demokratiebewegung getragen und den Sturz der Diktaturen erzwungen haben, um eine Wende zur Modernität zu erreichen, wird nach den Wahlen nicht entscheidend sein. Ihre Stärke liegt in der Protestbewegung, ihre Parteien haben wenig Zustimmung erhalten. Die politische Debatte wird sich nicht zwischen islamistischen und säkularen Parteien entfalten, sondern zwischen unterschiedlichen Ausprägungen des politischen


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