Gelesen Bücher, kurz besprochen

Gender Trouble beim Militär

Politik | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Noch vor nicht allzu langer Zeit schien es vielen undenkbar, heute ist es auch beim Militär, einem Bollwerk des Machismo, der Regelfall: Frauen unter Waffen. Die Politikwissenschaftlerin Saskia Stachowitsch befasst sich im vorliegenden Werk mit den Geschlechterideologien des Militärs und privater Militärfirmen in den USA.

Sie geht der Frage nach, wie soziale und militärische Veränderungen Geschlechterideologien beeinflusst haben und bietet damit Einblicke in Auswirkungen militärischer Restrukturierungs- und Privatisierungsprozesse.

In der medialen Rezeption militärischer Geschlechterideologien unterscheidet sie drei Phasen, die von der professionalisierten Soldatin im "Techno War“ Anfang der 1990er-Jahre bis zur heroischen Patriotin im "War on Terror“ reicht.

Auch wenn es angesichts des hohen Anteils von Indianern oder Latinos im US-Militär interessant gewesen wäre, mehr über Überschneidungen der Geschlechterfrage mit ethnischer und sozialer Herkunft zu erfahren, bildet das Buch eine überzeugende kritische Analyse der veränderten Geschlechtsideologien im militärischen Arbeitsmarkt der USA und deren darüber hinaus gehenden gesellschaftlichen Einfluss. Eine Konklusion bleibt: Auch noch so starre, machoide Heeresstrukturen können sich von der Wirkung moderner Geschlechterbilder nicht ganz abschotten.

Thomas Schmidinger

Saskia Stachowitsch: Gender Ideologies and Military Labor Markets in the US.

Routledge, 160 S., € 108,-


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