Mediaforschung Nachfragekolumne

Herr Kapfer-Giuliani, haben Sie Blinde sexistisch missbraucht?

Medien | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Eine junge Frau sitzt auf ihrem Bett, zieht ihren Slip an, aus schwarzer Spitze, streicht darüber, schließt ihren BH, berührt verträumt den Stoff auf ihrer Haut, streift genussvoll schwarze Seidenstrümpfe nach oben.“ So lautet der Audiokommentar des Palmers-TV-Spots, der sich auch an blinde Menschen richten will.

Die Botschaft: Qualität, die man fühlen kann. "Sehbehinderte Menschen haben einen wesentlich stärker ausgeprägten Tastsinn“, sagt Michael Kapfer-Giuliani, Geschäftsführer der Werbeagentur Lowe GGK. Wenn ein Blinder etwas ertaste und für gut empfinde, sei das die höchste Auszeichnung.

Der Österreichische Blinden- und Sehbehindertenverband findet die Werbung jedoch diskriminierend und wandte sich an den Werberat. "Blindheit wird in diesem Werbespot auf sexistische Art und Weise dazu missbraucht, um den Verkauf von Produkten anzukurbeln“, heißt es in der Beschwerde, die vom Werberat zurückgewiesen wurde. Begründung: Der Spot würde "das Image der vermeintlich betroffenen Gruppe der sehbehinderten Frauen“ aufwerten.

"Mir war bewusst, dass der Spot kontrovers diskutiert werden würde, aber zu sagen, dass man hier auf Kosten von Behinderten Profit schlagen will, hat mich persönlich getroffen“, sagt Kapfer-Giuliani. "Wir wollten nur zeigen, dass auch blinde Menschen selbstbewusst im Leben stehen und schöne Wäsche tragen können.“

Ursprünglich sei sogar geplant gewesen, ein blindes Model für die Produktion der Werbung zu engagieren, und fast habe man auch Amanda Swafford, ehemalige Teilnehmerin der TV-Show "Americas Next Topmodel“, bekommen.

Wegen ihrer immer stärker werdenden Sehbehinderung hat sie sich aber die Dreharbeiten nicht mehr zugetraut.

Georg Eckelsberger


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