Was ist Wahrheit in eigener Sache?

Feuilleton | Nachruf: Jörg Magenau | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Die DDR-Schriftstellerin Christa Wolf war eine loyale Dissidentin. Der Zweifel prägte ihr Leben und ihr Werk

Es war in den letzten Jahren ruhig geworden um Christa Wolf. 22 Jahre nach der Wende ist der Lärm der Gefechte verklungen, der um ihr Werk und ihre Biografie tobte.

Ende der 80er-Jahre galt sie noch als Nobelpreiskandidatin; ein paar Jahre und eine Epoche später wurde sie als "Staatsdichterin der DDR“ diffamiert - als wäre sie persönlich für die Diktatur haftbar zu machen, weil sie dieses Land und die SED nicht rechtzeitig verlassen hatte, ja über dessen Untergang hinaus am Sozialismus festzuhalten entschlossen war.

"Wohin mit mir“, schrieb sie Mitte der 90er-Jahre in dem Roman "Medea“. "Ist eine Welt zu denken, eine Zeit, in die ich passen würde. Niemand da, den ich fragen könnte.“ Diese Sätze, der bei Wolf als Kindsmörderin verleumdeten Medea in den Mund gelegt, ließen sich als Auskunft in eigener Sache lesen: Summe ihrer bitteren Erfahrungen im wiedervereinigten


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