General Winter und die Sehnsucht nach Wärme

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Die Ausstellung Wintermärchen im Kunsthistorischen Museum

Lars van Triers neuer Film "Melancholia“ räumt überall Filmpreise ab. Um die depressiven Zustände der von Kirsten Dunst gespielten Protagonistin zu veranschaulichen, rückte der dänische Regisseur ein Gemälde ins Bild. "Die Jäger im Schnee“ (1565) von Pieter Bruegel d. Ä. ist ein Meisterwerk des Kunsthistorischen Museums und derzeit in der Sonderausstellung "Wintermärchen“ zu sehen.

Es ist eines von zahlreichen Beispielen altniederländischer Landschaften, in denen Ruhe und Stille überwiegen. Man sieht Schlittschuhläufer über gefrorene Teiche und Kanäle sausen. Oder die Bauern im Schneegestöber Reisig nach Hause führen. Brrr!

Einen ganz anderen Eindruck hinterlassen die Schlachtenszenen der napoleonischen Armee, in denen die Soldaten in Eis und Schnee steckenbleiben.

Bereits in alten, mythologischen Darstellungen wurde der Winter als Bestrafung und Plage dargestellt. Die chronologische Reihe der Werke reicht von 1450 bis in die Gegenwart und umfasst nicht nur Tafelbilder. Zu sehen sind auch großformatige Tapisserien und ein herrschaftlicher Karussellschlitten, Pokale, Porzellanfiguren und Steinschnittobjekte.

In der altgriechischen Götterwelt war Boreas als Gott des Nordwindes der personifizierte Winter. Rubens malte ihn als muskulösen Alten, der die attische Königstochter Oreithia entführt. Grimmig, mit geblähten Backen, zerrte er die dralle Frau in den dunklen Schneehimmel.

Derweilen machen zwei Putti eine Schneeballschlacht, ganz so, als würden sie sich für die Actionszene nicht interessieren. Wie die Babys nach den Schneeflocken haschen und die Schneebälle in der Hand wiegen, lässt auf die Begeisterung des Künstlers für Gefrorenes schließen. Keine andere Jahreszeit ermöglichte es den Malern, so virtuos weiße Farbe aufzutragen. Und die Sehnsucht nach der warmen Stube hervorzurufen.

Kunsthistorisches Museum, bis 8.1.


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