Kritiken

Lasst doch die Türen in Ruhe!

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Georges Feydeau (1862-1921) verstarb in geistiger Umnachtung. Nobel verschweigt das Programmheft zu "Ein Klotz am Bein“, dass die Geisteskrankheit eine Spätfolge der Syphilis war. Dabei sind gerade solche Umstände nicht untypisch für Feydeau, ging es ihm in seinem Bühnenschaffen doch immer um Triebe, heimliche Affären und die Lächerlichkeit bürgerlicher Moral. Auch hier dreht sich alles um einen Mann (als Fernand erstmals in der Josefstadt: Raphael von Bargen) zwischen zwei Frauen - der Geliebten Lucette, die er loswerden will, und der Verlobten Viviane, die er aus finanziellen Gründen heiraten will. Trotz des unvermeidbaren Türenknallens und der Zoten gelingt Regisseur Michael Kreihsl ein kleines Wunder: Man fühlt sich nach dem Abend nicht völlig beschmutzt. Das ist schon viel für Feydeau!

Theater in der Josefstadt, Fr, Di 19.30


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