Kritik

Mit Doktortitel: Künstler-tum als Forscherpraxis

Lexikon | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Es ist keine Neuigkeit, dass Künstler sich häufig auf Recherchen einlassen, die in ihrem Anspruch wissenschaftlichen Forschungen nicht nachstehen. Neu ist allerdings die institutionelle Verankerung dieser Praxis und somit auch der Anspruch, künstlerische Ergebnisse akademischen gleichzustellen, was derzeit auch mit dem Doktortitel PhD in Practice erprobt wird. Wie das alles aussehen kann, führt derzeit die Schau "Troubling Research“ auf der Akademie der bildenden Künste vor. In dem von Tom Holert und Johanna Schaffer initiierten Projekt war es unter anderem ein Ziel, das Verhältnis von Kunst und Forschung zu verunsichern. Kein Wunder, dass auch die aktuelle Ausstellung der Projektergebnisse sich nicht leicht erschließt.

Wie etwa damit fertig werden, wenn das Interesse für eine historische künstlerische Position unerwartet derart viel Material zutage fördert, dass an eine Aufarbeitung gar nicht zu denken ist? So erging es Simonetta Ferfoglia und Heinrich Pichler von Gangart, als sie das Engagement von italienischen Künstlern im Zuge der Bewegung zur Abschaffung psychiatrischer Krankenhäuser erforschten. An Karrieren wie der des heutigen Cartoonisten Ugo Guarino wird deutlich, dass sein Aktivismus zu einer Marginalisierung seiner künstlerischen Position geführt hat. Während Gangart Zeichnungen und Material ausstellen, haben die Teilnehmer eines Workshops mit der US-Tanzchoreografin Simone Forti eine Installation gestaltet und - ebenso kryptisch - Diedrich Diederichsen hat eine Vitrine mit dem Titel "Plattencover der Geisteskranken“ gefüllt. Weniger hermetisch fallen im Vergleich Axel Stockburgers Subkulturforschungen zu chinesischen "Cos(tume) Player“ aus oder Stefanie Seibolds Arbeit zur Performancekünstlerin Gina Pane. NS

xhibit, Gemäldegalerie der Akademie; bis 31.12.


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