Ausstellung Tipp

Haus ohne Augenbrauen, Trinkglas mit Geometrie

Lexikon | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Die aktuelle Ausstellung im Ringturm heißt "Adolf Loos und Wien“, sie widmet sich aber fast ausschließlich der Genese des Loos-Hauses am Michaelerplatz. Dafür haben die Kuratoren Marco Pogacnik und Adolph Stiller seltene Dokumente und Pläne des für die Herrenschneiderei Goldman & Salatsch ab 1909 realisierten Gebäudes zusammengetragen. Diese belegen die langwierige Findung des Grundstückumrisses ebenso wie den 1912 verhängten Baustopp, der mit der Ablehnung der nur durch Marmorplatten geschmückten Fassade dieses "Hauses ohne Augenbrauen“ - wie es der Volksmund nannte - zu tun hatte. Erst als sich Loos bereiterklärte, Blumenkästen aufzuhängen, konnte sein Bau fertiggestellt werden. Die Schau widmet sich auch der Restaurierung des verschandelten LoosHauses, zeigt Möbel daraus und sogar eine Uniform aus der Schneiderei der Bauherren.

Auch das Hofmobiliendepot nimmt Loos’ 141. Geburtstag am 10. Dezember zum Anlass einer Würdigung. Im Zentrum dort steht das ungeheuer moderne Trinkservice Nr. 248, das der in den USA an angelsächsischer Reduktion geschulte Architekt 1931 für die Firma J. & L. Lobmeyr entworfen hat. Der Grafikdesigner Stefan Sagmeister hat diesen bis heute produzierten Klassiker jüngst aufgegriffen und neu interpretiert.

Die Glasexpertin und Kuratorin Ulrike Scholda wird um 19 Uhr einen Vortrag zu Loos’ Glaskunst im Vergleich zu zeitgenössischem Design halten. Im Anschluss diskutieren die Architekten Erich Hubmann und Andreas Vass mit Leonid Rath, dem Lobmeyr-Geschäftsführer, der vor Ort Werkzeuge für die Glasverarbeitung und neue Produkte präsentieren wird. NS

Ringturm, bis 17.2.; Hofmobiliendepot Sa 19.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige