Neu im Kino

This Inhuman World: "War on Terror“

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 49/11 vom 07.12.2011

Ein Apache-Helikopter kreist über einer Gasse in Bagdad, am Boden kriecht ein Verletzter. Der Bordschütze wartet am Funkgerät darauf, ihn töten zu können. Ein Auto fährt vor, ein Mann steigt aus, um den Verletzten zu bergen. Endlich kommt der Schießbefehl. Die Männer auf der Straße sterben, zwei Kinder im Auto werden schwer verletzt.

Unfassbare Bordkameraaufnahmen wie diese sind Teil des österreichischen Dokumentarfilms "War on Terror“ von Sebastian J.F., der sich mit dem Irakkrieg unter der Bush-Administration auseinandersetzt. Der Schwerpunkt des Films liegt auf der Folter, die in Geheimgefängnissen auf der ganzen Welt stattgefunden hat.

Breiten Raum nehmen Experteninterviews ein: Amy Goodman, Journalistin und Moderatorin des Politikmagazins "Democracy Now“, beleuchtet die mediale Kriegspropaganda in den USA. Manfred Nowak, Professor für Völkerrecht und Menschenrechtsschutz, zeigt auf, wie versucht wurde, eine Rechtsbasis für Folter zu schaffen. Der Historiker Alfred W. McCoy erklärt die Foltermethoden der CIA, mehrere ehemalige Guantánamo-Häftlinge erzählen von ihren qualvollen Erlebnissen.

Die schwarzweiß gedrehten Interviews fügen sich in eine dichte Collage aus Archivmaterial, Medienbeiträgen, Mitschnitten politischer Reden und Kampfhandlungen, die ein Gesamtbild von Kriegstaktiken ergibt, im Zuge derer rechtsstaatliche Grundsätze radikal außer Kraft gesetzt wurden. Bis in den beißend kommentierenden Soundtrack reicht die Anklage, die "War on Terror“ erhebt. Sein Publikum hinterlässt der Film sprachlos und betroffen: Nicht nur über die Gräuel, die im Irakkrieg passiert sind, auch über die Tatsache, zu welchen Grausamkeiten Menschen immer wieder fähig sind, wenn sie die Macht dazu haben.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Top)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige