Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Die Redaktion erklärt sich selbst

Leser, Eltern, Kinder: Sollte Florian Klenk euer Zimmer jemals mit den Worten "Jetzt zeig ich dir was“ betreten, lauft! Was immer nach diesem Zaubersatz geschieht, weiß er selbst nicht, seit das Internet mittels eines Smartphones in sein Leben getreten ist.

Die jüngste von zahlreichen derartigen digitalen Lebensbetretungen endete damit, dass wir beide im Internet, wenn nicht verlacht, so doch belächelt wurden.

Was Klenk nicht wusste, als er sein Handy herausfischte, die Kamera aktivierte und sie auf den Autor richtete, um ihn dabei zu filmen, wie er sich selbst zusah, wie er live ins Internet gestreamt wurde, was er in diesem triumphalen Moment digitaler Selbsterkundung nicht wusste: dass sein Handy 5321 Twitter-Followern den Link zu diesem Video geschickt hatte.

Klenk wusste nicht, dass sechs Zuseher live dabei waren, wie er Gott sei Dank keine Pennälerwitze erzählte, dass nach einer Minute 38 Leute dabei zusahen, wie sein Opfer Gott sei Dank nicht sagte, was es sich wirklich dachte, und dass schon nach wenigen Minuten auf Dutzenden Bildschirmen ein Video lief, das zwar eine persönliche, aber eben Gott sei Dank keine skandalöse Schlussproduktionssequenz zeigte.

Als Klenk nach seiner unlängst erfolgten Rückkehr aus der Karenz sagte, hier würde jetzt wieder ein anderer Wind wehen, nahmen wir das als Niederkunftstamtam hin. Als er die letzte Tafel Trauben-Nuss gegessen hatte, taten wir das als Marotte ab.

Jetzt, da er uns auch ins digitale Verderben zu reißen droht, bleibt nur eine Frage: Kann man hausinterne Schurken für Best of Böse nominieren?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige