Kommentar Hochschulfinanzierung

Nur wer von seinem Studium profitiert, soll zahlen!

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Die Kärntner SPÖ spielt in der Politik keine große Rolle, sie ist quasi der Lindwurmfortsatz der Sozialdemokratie. Und doch haben die Kärntner Genossen, allen voran ihr Landeschef Peter Kaiser, aufhorchen lassen. Kaiser brachte den bisher klügsten Vorschlag zur Studiengebührdebatte ein: Akademiker sollen künftig 20 Euro pro Monat zahlen, wenn sie eine gewisse Einkommensgrenze überschreiten. Kaiser schweben etwa 3200 Euro brutto im Monat vor, dann krallt sich der Staat den "Akademikerzwanziger“.

Ein fairer Gedanke: Uniabsolventen müssten erst dann eine Abgabe leisten, wenn sich ihr Studium tatsächlich gelohnt hat und sie sich die Gebühr leisten können. Ein ähnliches Modell gibt es bereits in Australien, wo Studierende ein staatliches Darlehen aufnehmen und dieses zurückzahlen, wenn sie das Durchschnittseinkommen erreichen.

Australien gilt als Vorreiter, und doch zeigen sich dort Gefahren: Die Studiengebühren schossen in den letzten Jahrzehnten in die Höhe. Der Staat hat die Gebühren schrittweise erhöht und sich selbst immer mehr aus der Hochschulfinanzierung zurückgezogen. Jetzt mangelt es den Unis an Geld und viele junge Akademiker haben haushohe Kredite.

Selbst ein wohlmeinendes Modell braucht also Sicherheitsmechanismen: Zum Beispiel muss klargestellt werden - am besten verfassungsrechtlich -, dass der Staat für den Löwenanteil der Bildung aufkommen muss und dass der Akademikerzwanziger nicht plötzlich zum Hunderter und dann zum Tausender werden darf.

Sollte so ein Modell gelingen, wäre das in der Tat revolutionär. Dann hätten die Kärntner die Australier als Vordenker abgelöst.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige