Am Apparat Telefonkolumne

Was heißt Futlapperl auf Englisch, Frau Wintersberger?

Politik | Interview: Stefan Apfl | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Seit via Profil bekannt wurde, dass eine Willkommenstafel am Wiener Flughafen, die Begriffe aus einem Deutsch-Österreichischen Wörterbuch zeigt, wegen Ausdrücken wie "Futlapperl“ zensiert werden soll, hat sich im Wiener Wasserglas ein Sturm ausgebreitet. Was sagt Astrid Wintersberger, neben H.C. Artmann Mitautorin des Wörterbuchs, dazu?

Was halten Sie von der Aufregung?

Nichts. Mein Werklein bekommt durch das Moment der Zensur etwas Aktionistisches. Ich habe es 1995 anlässlich des Österreich-Schwerpunkts bei der Frankfurter Buchmesse zusammengestellt. Es richtete sich an ein intellektuelles Publikum.

Waren Sie in die Konzeption dieser Tafel involviert?

Nur insofern, als ich die Begriffe in die neue Rechtschreibung bringen und die Übersetzung auf Englisch überwachen sollte. Die Idee war, die im Buch enthaltenen Wörter auf Österreichisch, Deutsch und Englisch abzudrucken. Dafür wurden vorab auch Begriffe gestrichen, etwa das Wort "neger“ für pleite.

Wie reagieren Sie auf den Vorwurf, es handle sich teilweise um fremden- und frauenfeindliche Begriffe?

Das ist Unsinn. Ein Wörterbuch erklärt Begriffe. Es ist nicht dazu da, um zu beurteilen, ob die Verwendung dieser Begriffe politisch korrekt ist. Durch diese Aufregung wächst mir das Wort "Futlapperl“ sogar langsam ans Herz. Es ist ja kein frauenfeindlicher Begriff. Unter B findet sich etwa das Wort Beidl. Die dialektale Bezeichnung von Geschlechtsteilen gehört einfach zum Sprachschatz dazu. Ob man das auf einem Flughafen abdrucken muss, ist eine andere Frage.

Wie wurde das Wort Futlapperl ins Englische übersetzt?

Es wurde immer der deutsche Ausdruck ins Englische übersetzt, in diesem Fall Schamlippe, also labium.

Fällt Ihnen für die aktuelle Aufregung ein wienerischer Begriff ein?

Das passende Wort wäre wohl "Lercherlschas“.


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