Mediaforschung  Nachfragekolumne

Was, wenn es am 24.12. zu Mittag schneit, Herr Hartlauer?

Medien | Katharina Mittelstädt | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Die gute Nachricht zuerst: Robert Hartlauer lächelt wieder aus Fernsehgeräten und von Plakatständern. Dabei spräche die Aktion wohl auch allein für sich. "Die legendäre Schneewette ist zurück!“, schreibt der Elektronik- und Brillentandler in seiner vorweihnachtlichen Aussendung. Legendär, weil der alte Hartlauer sie einst im Jahre 1997 schon einmal einging - damals gewann er gegen die Kunden und verlor vor Gericht.

Die Strategie hinter der Schneewette ist so einfach wie effektiv. Alle Kunden, die zwischen Ende November und Mitte Dezember Brillen oder Hörgeräte gekauft haben, bekommen, wenn es am Heiligen Abend um zwölf Uhr Mittag schneit, die Hälfte des Kaufpreises zurück. "Natürlich habe ich eine Versicherung ausgehandelt, ansonsten wäre die Wette eine finanzielle Katastrophe“, sagt der Geschäftsführer Robert Hartlauer.

Geistiger Schöpfer der Aktion war der mittlerweile verstorbene "Löwe“ Franz Josef Hartlauer, Vater von Robert, der das Vorweihnachtsgeschäft vor 14 Jahren mit dem Einfall ankurbeln wollte. In jenem Jahr fiel kein Schnee zur vorgegebenen Zeit. Nach Klage eines Grazer Optikers wurde die Werbeaktion vom Obersten Gerichtshof für wettbewerbsrechtlich unzulässig erklärt, weil Rabatte nicht an Zufallsbedingungen geknüpft werden durften.

Seit zwei Jahren ist dies nun durch EU-Recht möglich, und Robert Hartlauer witterte reuelos seine Chance: "Wenn sich das Gesetz ändert und ich morgen 180 km/h auf der Autobahn fahren darf, mache ich das auch gern.“ Außerdem sei er auf alle Eventualitäten vorbereitet. So werden "unabhängige Meteorologen“ entscheiden, "was Schneefall ist“.

Der Umsatz steigt, die Versicherung würde zahlen - die Wette auf den Schnee kann Hartlauer selbst nur gewinnen.


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