Eiserne Hochzeit

Feuilleton | Matthias Dusini | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Eisen zieht die Wiener Fotografin Nora Schoeller an wie ein Magnet. Sie kletterte auf Dächern, spazierte Eisenbahnbrücken entlang und besuchte Glashäuser, um ein vergessenes Kapitel der Ingenieursbaukunst zu dokumentieren: die Bauwerke der Firma Ignaz Gridl.

Der Schlosser Ignaz Gridl (1825-1890) baute in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Industrieunternehmen auf, das sich auf Eisenkonstruktionen spezialisierte und den Pomp der Monarchie montierte. Durch den Einsatz von Eisen konnten neue bauchtechnische Lösungen gefunden werden, etwa bei der Errichtung von Kuppeln mit großem Durchmesser.

Das Kunsthistorische Museum oder die Kuppel am Eingang zur Hofburg, das Parlament und das Burgtheater: Die ganze Ringstraße entlang finden sich mächtige Dachkonstruktionen, die alle aus der Werkstatt von Ignaz Gridl stammen. Sie zeigen die Ära des Historismus als Zeit großer technischer Innovationen, deren materielle Grundlagen aus ästhetischen Gründen ausgeblendet wurden. So verschwindet


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