Buch der Stunde

Eine Welt von schauriger Plastizität

Feuilleton | Daniela Strigl | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Wer besitzt schon die Kühnheit, die Geschichte eines, nein, zweier Dermatologen zu erzählen? Sylvie Schenk besitzt sie, und das ist schlechthin die Gelegenheit, diese sträflich übersehene deutsch-französische Autorin zu entdecken. "Der Gesang der Haut“ behandelt, technisch gesprochen, das Erzeugen, Verwalten und Umleiten von erotischer Energie und die in diesen Prozessen frei werdenden Sprengkräfte. Wie schon in ihrem Roman "Parksünder“ erweist Sylvie Schenk sich als Meisterin der psychologischen Engführung und stellt ihre Diagnose mit Witz und mitleidloser Präzision.

Situiert irgendwo zwischen Goethes "Wahlverwandtschaften“ und Ian McEwans "The Comfort of Strangers“, fügt diese Geschichte dem zweiachsigen Modell der beiden Paare eine weitere Person hinzu, die als sprichwörtliches fünftes Rad am Wagen denselben nicht unbedingt geländegängiger macht, ihn vielmehr katastrophal aus der Spur geraten lässt.

Moira, wie eine griechische Schicksalsgöttin, heißt die junge


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