Ohren auf  Sammelkritik: aus den Archiven - drei Konzertmitschnitte der Rock-Jazz-Formation Weather Report

Der Wetterbericht: sonnig bis wechselhaft

Feuilleton | Andreas Felber | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Vierzig Jahre nach dem Debüt der erfolgreichsten Rock-Jazz-Formation der Musikgeschichte schlägt die Stunde der Archivare. Gleich drei Konzertmitschnitte von Weather Report wurden 2011 von Art of Groove/BirdJam auf CD und DVD veröffentlicht: Livedokumente, die Schlaglichter auf unterschiedliche Entwicklungsphasen werfen und die mit einer Ausnahme erstmals auf (Bild-)Tonträger zugänglich gemacht wurden.

"Live in Berlin 1975“ bietet ein 40-minütiges Jazzfestset, die vier Stücke entstammen zur Hälfte dem 1975er-Album "Mysterious Traveller“. Das Leaderduo Wayne Shorter und Joe Zawinul verschweißt sich hier mit Alphonso Johnson, Chester Thompson und Alex Acuna zu einer elastischen, druckvollen Einheit, die jedoch nicht die interaktive Dichte früherer und späterer Besetzungen aufweist. Dafür kann Saxofonist Shorter, bei Weather Report zuweilen unterrepräsentiert, sein Können in exzellenten Soli ausspielen.

"Live in Offenbach 1978“ (die DVD wurde bereits 2006 erstveröffentlicht) zeigt Weather Report am Höhepunkt, mit Basswunderkind Jaco Pastorius und Drummer Peter Erskine: Der Offenbach-Mitschnitt, der das stimulierende, multipolare Spiel der kreativen Kräfte jener Phase dokumentiert, entstand nur wenige Monate vor der legendären Liveplatte "8:30“ - und übertrifft diese in mancherlei Hinsicht. Neben allen Hits von "Birdland“ bis "Teen Town“ birgt die Aufnahme auch Stücke aus dem vieldiskutierten Album "Mr. Gone“ sowie eine grandiose Version des Ellington-Klassikers "I Got It Bad“ - mit Zawinul am akustischen Klavier. Weather Report at its best!

Fünf Jahre später werden die Bandevergreens etwas lieblos zu einem Medley verramscht, wie die CD/DVD "Live in Cologne 1983“ hören lässt: Der Mitschnitt zeigt die Formation zwischen den Alben "Procession“ und "Domino Theory“, wobei Zawinul und Shorter (nun mit Viktor Bailey, Omar Hakim und Jose Rossy) drei Jahre vor dem Abschied in Stücken wie "D Flat Waltz“ und "Fast City“ durchaus noch an ihre Glanzzeit anschließen können.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige