Stadtrand Urbanismuskolumne

Weihnachten, wo alle plötzlich uncool werden

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Es christkindlmarktlt allüberall. Doch, doch, das geht schon in Ordnung. Denn offenbar gibt es da draußen bei erstaunlich vielen Menschen ein Bedürfnis nach übersüßten, überteuerten, überalkoholisierten Heißgetränken, Fettfrittiertem oder in Billiglohnländern fabriziertem Dekokram. Aber, apropos!, schräg wird’s, wenn der ganz normale Weihnachtswahnsinn dann wo auftaucht, wo man ihn absolut nicht erwartet. Im MQ zum Beispiel, wo man ja einen auf superlässig macht, statt Punschhütten ein paar Plastikgewächshäuser auf den Hauptplatz stellt und das Wörtlein "Weihnachten“ fast verkrampft vermeidet (indem man die Veranstaltung "Winter im MQ“ nennt). Aber. So ganz ohne geht’s offenbar auch nicht. So hat irgendwer außen am coolen Mumok eine Reihe kitschiger Tannenzweiglein angebracht - ausgerechnet! Wo geht’s hier ins Weihnachtswunderland? Vielleicht handelt es sich dabei ja auch nur um eine ironisch-kritische künstlerische Intervention. Solange sie dort nicht einen Christbaum mitten in Beuys’ Fettecke stellen, besteht keine Brandgefahr.


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