Menschen

Swaggemeinschaft

Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Würde Wärme Weihnacht“. So lautet das Motto, unter dem die Heilsarmee auf der Freyung Heißgetränke karitativ unter die Leute bringt. Letzte Woche konnte man dann noch "Wiener“ hinzufügen. Und Vanillekipferln. Denn die smarte wie omnipräsente Fernsehköchin und Kochbuchautorin Sarah Wiener stellte sich in die Bude vorm Palais Ferstl und machte einen auf Weihnachtskeks (Frau Wiener engagiert sich tatsächlich seit längster Zeit regelmäßig für die Organisation, zuletzt mit Suppe.) Folgendes Motto hätte uns gefallen: "Wiener würde Vanillekipferln walken“. Bitte fürs kommende Jahr aufschreiben.

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Tag und Nacht hetzen wir von einem Glühweinstand zum anderen. Aber natürlich nicht für die alkoholische Erwärmung, wir nicht, sondern nur für den guten Zweck. Neben Sarah Wiener trotzen auch die FM4-Leute der feuchten Kälte dieser Tage und schenken beim Amber-Med-Stand am Karlsplatz Glühwein aus. Amber Med ist eine Ambulanz, die Menschen ohne Krankenversicherung - ob Asylwerber, Obdachlose oder einfach nur Menschen, die außerhalb des Sozialsystems leben - kostenlos medizinisch versorgt. Heuer wird die karitative Einrichtung vom Radiosender unterstützt, FM4-Moderatoren wie Christian Fuchs und Andreas Gstettner verteilen den Amber-Med-Punsch gegen eine freiwillige Spende. Das ist ein ziemlich nobles Konzept: Jeder zahlt so viel für sein Getränk, wie er zahlen möchte oder kann. "Viele Menschen spenden ungefähr so viel wie bei den anderen Ständen. Manche geben aber auch zehn oder 20 Euro her“, erzählt Gstettner. Wer zwar ein großes Herz, aber keine große Leber hat, der kann auch ohne Punschvergiftung Gutes tun: FM4 versteigert on Air wieder allerlei lustiges Zeugs. Diesen Mittwoch werden zum Beispiel die legendären Katzenkostüme der Band Kreisky aus dem Musikvideo "Bitte bitte“ verhökert. Wer immer schon als menschengroße Katze herumstreunen wollte, sollte sich diese Auktion nicht entgehen lassen. Schließlich bietet sich selten eine Gelegenheit, mit so gutem Gewissen, sinnlos Kohle zu verschleudern!

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Hätten Sie’s gewusst? Das deutsche Jugendwort 2011 heißt "Swag“. Was es genau bedeutet, wissen wir aber auch nicht. Via Youtube verbreitet hat es jedenfalls der Wiener Sebastian Meisinger. Der nennt sich als Rapper Money Boy und landete mit der Nummer "Dreh den Swag auf“ (das Original von US-Rapper Soulja Boy heißt "Turn My Swag On“) und 14 Millionen Klicks einen echten Hit auf der Videohochladeplattform. Für Herrn Meisinger dürfte das erst der Anfang einer glücklichen Swaggemeinschaft sein. Gerade ist sein Weihnachtssong erschienen: "Jingle Bells Swag“. Der Swag heiligt offenbar alle Mittel.

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Noch ein erfolgreicher Wiener: Erwin Gegenbauer, Essigfabrikant. Nun adelte ihn am Wochenende die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: Herrn Gegenbauers Produkte, so der FAS-Speisekritiker Jürgen Dollase, besäßen eine "unverkennbare Individualität“. Dafür gab’s die Auszeichnung "Produzent des Jahres 2011“ und folgende Kritik, die man sich auf der Gourmetzunge zergehen lassen kann: "Wer sich hier und da in guten Restaurants fragt, welcher unerklärliche Wohlgeschmack in einer Sauce oder Vinaigrette steckt, hat nicht selten mit Gegenbauer-Produkten zu tun.“ Und wir hier? Wir müssen einfach nur am Naschmarkt feinen Essig kaufen. Für den Wohlgeschmack.

Achtung!

Schach/Rätsel finden Sie ab sofort in der Falter:Woche auf Seite 54

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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