Theater  Premiere

Der Extremfall eines Familiendramas

Lexikon | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Manche Autorenkarrieren starten beängstigend schnell. Jüngstes Beispiel ist der 31-jährige Oliver Kluck. Der auf Rügen geborene und in Berlin lebende Dramatiker erhielt im Mai 2009 beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens für sein erstes Stück "Das Prinzip Meese“ den Förderpreis für Junge Dramatik zugesprochen. In den folgenden zwei Jahren wurden nicht weniger als vier seiner Dramen uraufgeführt; drei weitere folgen noch in dieser Spielzeit. Das "Labor“, in dessen Rahmen Kluck am Grazer Schauspielhaus im Lauf dieser Saison drei Abende entwickelt, ist da noch gar nicht mitgerechnet.

Auf einen solchen Hype folgt oft rasch der Absturz. Aber einerseits wirkt Kluck, ein bekennender Querulant, persönlich robust genug, um das auszuhalten. Und andererseits wirken auch seine Texte stilistisch gefestigt. In offener Form betrachtet der Autor mit grimmigem Humor und aus der Perspektive von nicht unbedingt sympathischen Helden die Welt; sein heuer zu den Mülheimer Theatertagen eingeladenes Stück "Warteraum Zukunft“ schilderte in Form eines inneren Monolog einen Tag im Leben eines leitenden Angestellten.

Das aus den Werkstatttagen im Vorjahr hervorgegangene Kluck-Werk "Die Froschfotzenlederfabrik“ ist der Extremfall eines Familiendramas: Der nach einem Konkurs untergetauchte Papa hat ein Vermögen mit der Produktion von Textilien für Neonazis gemacht; die Tochter ist Pornodarstellerin und verfrachtet die alkoholkranke Mama nicht in die Privatklinik, sondern ins Mehrbettzimmer eines kommunealen Krankenhauses; im leeren Haus der Mutter vögelt sie mit dem behandelnden Arzt; und dazwischen ist noch Platz für das Loblied eines Mercedesfahrers auf sein Auto. Die Uraufführung wird von Anna Bergmann inszeniert; die 33-jährige Regisseurin ist erstmals in Wien engagiert. WK

Burgtheater-Kasino, Mi (Premiere), Do 20.00


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