Film Neu im Kino

Verwest, verrückt, verhackt: "The Ward“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Die Geschichte spielt 1966 in einer geschlossenen Anstalt und steuert auf eine Schlusswuchtel (Branchensprache für surprise ending) zu; ergo lässt sich über den Plot von "The Ward“ wenig sagen, ohne den kompetent hinausgezögerten Aha-Effekt zu gefährden. Die größte Überraschung an diesem Horror-Psychothriller besteht aber darin, dass dies seit zehn Jahren die erste Kinoregiearbeit von John Carpenter ist. Dessen Name fungiert als altehrwürdige US-Horrorfilmmarke, geeignet zur Dauerauswertung durch Remakes, Hommagen, Fortsetzungen und, zuletzt, ein Prequel, das - wie Carpenters 1982er-Splatterklassiker - "The Thing“ heißt (und dessen Österreichstart ebenfalls hinausgezögert wird). Mit "Halloween“ lieferte der Regisseur 1978 die Blaupause für die weltweite Vorverlegung des Perchtenlaufsaisonbeginns auf Ende Oktober sowie für den Einsatz von Steadicam-Fahrten, bei denen nie sicher ist, ob wir die Unwirtlichkeit von Kleinstädten und anderen klaustrophoben Wohnumgebungen einfach so oder aus der Sicht eines umgehenden Mörders durchqueren.

Es wäre nahegelegen, dass Carpenter seinen - nach 1990 beinah verspielten - Ruf als minimalistischer Schockmanager und Atmosphärendesigner aufpoliert; für gediegenes Retrostyling wäre das auf Schlafzellen, Therapieräume und Nervenklinikkorridore reduzierte Setting von "John Carpenter’s The Ward“ (Titel-Upgrade mit Altmeisternimbus) branchensprachlich gesagt "a gmahte Wiesn gwesn“. Jedoch: Bei den Schauwerten dominiert der Girlielook junger Patientinnen (allen voran Amber Heard); Schrecksekunden rund um den Rachespuk einer verschwundenen Insassin im Verwesungslook erfolgen minütlich, aber konzeptlos; der Schnitt ist merklich dem Gebot zur Kürze verpflichtet, das Sounddesign laut und durchgängig. Da stimmt einiges nicht. Oder bild ich mir das nur ein?

Ab Fr in den Kinos (OmU im Top)


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