Film Neu im Kino

"M:I 4“ - Virtuosität mit Materialschwächen

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 50/11 vom 14.12.2011

Putin wird beruhigt sein. Wenn in "Mission: Impossible 4 - Phantom Protokoll“ der Kreml in die Luft fliegt, dann nicht wegen Unbotmäßigkeiten der Zivilbevölkerung, sondern eh nur, weil ein Bösewicht im weißen Anzug einen Nuklearkrieg der Großmächte lostreten will.

Nachdem J.J. Abrams die Agentenactionreihe starring Tom Cruise anno 2006 mit Folterspielchen und Terroristenverschleppung auf Höhe des Zeitgeists gebracht hat, ist Teil vier eine entschlossen anachronistische Angelegenheit. Statt um Reibungshitze an Schlagzeilen geht es hier - durchaus im Sinne der Originalfernsehserie aus dem Agentenboom der 60er - um Geheimdienstarbeit als Teamwork und Illusionierungskunst, ergo: Kino. Oder doch eher Laptopheimarbeit? Neben Masken kommt Computeranimation zum Täuschungseinsatz, und der Übergang zwischen Hightech-Spielzeug und handelsüblicher Hardware, zwischen Agentenfiktion und Productplacement ist hier so fließend wie noch nie.

Dass diese Gadgets immer wieder komödiantisch ausgekostete Defekte zeigen, ist signifikant für den überraschend ruhigen, verschmitzten Tonfall, den Animationsregisseur Brad Bird ("The Iron Giant“, "Ratatouille“) in seinem Realfilmdebüt anschlägt. Sogar Action filmt er ohne Hetze und mit einem Auge für räumliche Übersicht (notfalls per GPS-Ortung), das im aktuellen Spektakelkino selten ist. Einige Schaustücke gelingen famos, aber auch Bird hat mit Materialschwächen zu kämpfen. Wie zuletzt Spielbergs "Tim und Struppi“ laboriert "Phantom Protokoll“ an einer schalen Handlung, läppischem Comic Relief (wieder mit Simon Pegg) und der sich einschleifenden Monotonie seiner Bravourübungen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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