Kommentar  

Wie ein einsamer Ankläger den Finanzminister verfolgt

Korruption

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Ein Jahr ist es bald wieder her, dass die Kabarettisten Maurer, Palfrader und Scheuba die atemberaubenden "Wos woa mei Leistung?“-Protokolle im Audimax verlasen.

Die besten Freunde von Ex-Finanzminister Grasser fragten einander vor dem Polizeiverhör, wofür sie denn hunderttausende Euro an Provisionen kassiert hatten. Grasser riet: "Schauts im Internet.“ In Wahrheit wussten sie natürlich, wieso sie in so kurzer Zeit Millionen verdient hatten. Ob das legal war, untersucht derzeit der Staatsanwalt.

Tut er das wirklich? Im letzten Jahr hatten viele den Eindruck, die Justiz hinke der Korruption kläglich hinterher. Dieser Eindruck ist richtig. Nur langsam erkennt das Justizministerium, dass die infolge von Bankencrashs und Privatisierungen angestauten Skandale nicht durch ein paar Jungstaatsanwälte, sondern nur durch gutbezahlte Profis zu bewältigen sind. Dennoch ist ein unbekannter, junger Staatsanwalt zu erwähnen, der ganze Arbeit leistet: Gerald Denk.

Wer die Akten des einsamen, medienscheuen Grasser-Anklägers und seiner Kriminalbeamten liest, der erkennt, dass KHG keinesfalls geschont wird. Die Ermittler gehen wirklich jedem noch so kleinen Hinweis nach. Sie bemühen sich redlich, ein unfassbar kompliziertes und international verzweigtes Stiftungs- und Firmennetzwerk zu entwirren.

Grasser, so vermutet Denk, habe seinen Anteil an den Schmiergeldmillionen erhalten und auf einem Geheimkonto versteckt.

Man darf gespannt sein, ob Denk diesen Vorwurf im Jahr 2012 anklagen wird - oder ob er sich vielleicht doch, wie andere Ankläger vor ihm, versetzen lässt.


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