Am Apparat  

Herr Kirchmeyr, wie hat die Krone ihre Leser manipuliert?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Ingrid Brodnig | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Wochenlang berichtete die Kronen Zeitung über brutale Hundetötungen in der Ukraine und verwendete dabei mitleiderregende Bilder - die aber gar nicht aus der Ukraine stammen. Das Watchblog Kobuk deckte dies auf, Blogger Hans Kirchmeyr erklärt, wie er die einflussreichste Zeitung des Landes überführte.

Herr Kirchmeyr, was hat die Krone getan?

Die Krone hat falsche Bilder verwendet. Sie brachte einen doppelseitigen Bericht, in dem das Leid der Tiere in der Ukraine dargestellt wurde. Man sah das Foto einer toten Hundemutter, an der noch die Welpen hängen. Daneben schrieb die Krone, dass dies ein erschütterndes Dokument aus der Ukraine sei. Wir fanden heraus, dass dieses Bild nicht 2011 in der Ukraine aufgenommen wurde, sondern vor acht Jahren in Bosnien.

Wie haben Sie das nachrecherchiert?

Man braucht diese Bilder nur in die Google-Bildersuche eingeben. Dann liefert einem Google sofort die Fundstellen, wo dieses Bild vorher schon im Web aufgetaucht ist. Maggie Entenfellner (die Tier-Lady der Krone; Anm.) sagte, sie war selbst nicht in der Ukraine und konnte die Bilder nicht überprüfen. Wir waren auch nicht in der Ukraine, aber wir konnten das ganz einfach herausfinden.

Warum sind diese Bilder problematisch?

Weil sich die Menschen nicht mehr sicher sein können, ob etwas authentisch ist oder nicht. Keiner weiß mehr, ob übertrieben wird, um Emotionen zu schüren, oder ob es sich um echtes Leid handelt. Irgendwann finden wir uns dann alle in einer Spirale wieder, wo es nur darum geht: Wer schreit am lautesten, wer hat die beste Story - egal ob sie authentisch ist oder nicht.

Kobuk zeigt Fehltritte der Medien auf. Was ist denn der häufigste Fauxpas?

Viele Boulevardmedien haben Angst vor der Recherche, weil das die Geschichte kaputt machen könnte. Wenn man eine schön klingende Geschichte hat, hört man auf zu recherchieren. Relativierende Fakten, davon will man gar nichts wissen.


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