Stadtrand 

Das katzengoldene Wiener Herz

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Allabendlich trifft sich auf dem Plätzchen vor der Arcade Meidling, gegenüber des Abgangs zur U6-Haltestelle Philadelphiabrücke, allerhand Straßenvolk. Zum einen, weil der Platz nur einen Steinwurf weit von der VinziRast entfernt liegt, zum anderen, weil am anderen Ende des U-Bahn-Abgangs, am Schedifkaplatz, jeden Abend der Francescobus der Caritas hält, um eine Runde Suppe mit Gebäck auszugeben.

Neulich spielte sich dort folgende Szene ab: Ein offensichtlich obdachloser, älterer Mann saß auf dem Rand einer Baumwanne, vor sich seine Habseligkeiten in ein paar Plastiksackerln, daneben döste sein Hund. Eine junge Frau im Businesskostüm ging im Stechschritt in hochhackigen Stiefeln Richtung U-Bahn-Abgang; in der Hand eine zur Hälfte gerauchte Zigarette. Sie warf sie zu Boden, wollte sie gerade austreten, da schaute sie kurz zu dem Mann hinüber und rief: "He du, schau her, da liegt eine Tschick für dich!“ Der Mann ließ seine Bierdose sinken, räusperte sich und sagte: "Du glaubst wohl auch, ich nehme von jedem etwas an.“


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