Frau Mustermann war es nicht

Stadtleben | Zeugenprotokoll: Birgit Wittstock | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Inkassobüros treiben offene Forderungen auf Biegen und Brechen ein - notfalls auch von Ihnen

Neulich wurde Erika Mustermann* das Gehalt gepfändet. Einfach so. Ohne Erklärung. Just als Frau Mustermann den Gerichtsbeschluss der Exekution per Post erhielt, überwies ihr Arbeitgeber auch schon ihren Lohn an den Anwalt des Klägers, den Universal Versand. Bloß dass Frau Mustermann dort nie etwas bestellt hat - weder bei Universal Versand noch bei Quelle, Otto oder wie sie sonst heißen mögen.

Ehe sie es sich versah, waren 840 Euro also futsch, und niemand wollte ihren Unschuldsbeteuerungen so recht Glauben schenken. Ihr Chef nicht und ihre Kolleginnen aus der Lohnverrechnung schon gar nicht. Die beobachteten sie fortan verstohlen und verstummten abrupt, sobald Mustermann ihr Büro betrat, um sofort wieder loszuschnattern, wenn sie den Raum verlassen hatte. So schien es ihr zumindest.

Erika Mustermann zählt eher zu jenen Frauen, an denen man vorbeigeht, ohne ihr Gesicht im Gedächtnis zu behalten.


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