Selbstversuch

Love the ones you’re with

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Das wäre dann auch geschafft. Wie jedes Jahresende war auch dieses geprägt von einer finalen Terminkulmination, die einen mitunter ausrufen ließ: Leute!!! Die Welt geht erst in einem Jahr unter! Wir müssen nicht noch schnell alles in dieses winzige Resterl vom 2011er-Jahr quetschen! Andererseits war es auch sehr schön: nette DJ-Termine, private Jahresendsfeiern, Kinder, die durch lichterkettenbeleuchtete Wohnungen rasen, wohlriechende Babys mit dicken roten Backen auf dem Schoß, feine Menschen, gute Gespräche, tolles Essen und die Magenwände vor lauter Sprudelwein knapp vor der Zersetzung. So hört man das Jahr doch gerne auf. Das ist doch würdig und stimmig, das passt ja zum Jahr, auch wenn es viel zu kontaminiert war von Unglück und Streit, Verlust und Trauer.

Vorsätze? Naja. Nicht in dem Sinn, eher so die Verfestigung des Daseinsmottos, das eh schon länger in einem reift. Ein S hinter das "one“ in dem alten Stephen-Stills-Hadern geflickt, damit ist es im Prinzip eigentlich zusammengefasst: "Love the ones you’re with“: Düdüdüdüdüdütüdüüü. Das Gute in dem finden, was man schon hat, das Liebenswerte in denen, die bei einem sind und erstaunlicherweise bei einem bleiben. Und: noch ein bisschen buddhistischer werden, gelassener, zuversichtlicher, das kann auch nicht schaden.

Immerhin, bitte: Rauchen aufhören fällt als Vorsatz heuer weg, das hat man noch schnell vor Weihnachten geschafft, nicht zuletzt im Angesicht der bevorstehenden siebenstündigen Zugfahrt im Nichtraucher-Railjet: Die ÖBB-Bediensteten können also aufatmen, das haben alles der Lange und die Mimis abgekriegt. Man fährt einem runden Geburtstag im Familienkreis entgegen und dem ersten Heiligabend ebendort; es ließ sich heuer nicht verhindern, weder für uns noch für meine Eltern, die eigentlich wahnsinnig gut auf strahlende Kinderaugen unterm Weihnachtsbaum verzichten können, weil das Strahlen halt auch immer mit einer unübersichtlichen Menge Stress und Lärm und Streit und Unruhe untrennbar verknüpft ist.

Aber wir werden das überstanden haben, vor allem, weil der Wunschzettel der Kinder dieses Jahr fast ausschließlich eltern- und großelternschonendes Gamezeugs listete: Die Zeit der pädagogisch wertvollen Spielzeuge ist definitiv vorbei. Oh doch, es werden auch ein paar Bücher dabei sein, plus die endgültige pädagogische Offenbarung: der Rest der Harry-Potter-CDs, deren erste zwei Teile schon der resignierte Nikolaus gebracht hat, der nicht mehr daran glaubte, dass die Kinder je noch die Harry-Potter-Bücher lesen werden, die sich seit längerem in ihrem Besitz befinden. Seit dem 6. Dezember hören wir 24/7 Rufus Beck beim Potterlesen zu. Bitte: Die Liebe zur Literatur kann einen doch auch akustisch überwältigen, nicht nur via Lektüre, oder. Behaupte ich jetzt einmal. Gelassenheit ist die neue Resignation: entspanntes 2012, alle.


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