Fragen Sie Frau Andrea

Liebe Jahresendpersonen!

Kolumnen | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Fragende!

Das Jahr elf des Jahrtausends senkt sein krisengeschütteltes Haupt, die Straßen sind aper von Schnee und Eis, Punschkranke sitzen in Bim, Bus und Uh, sie miachteln nach Tschik und Angst und Seelennässe. Die Verlorenen studieren Kontoauszüge und Kassenbelege. Noch gibt es welche. Auf ihren schlotternden Knien lastet schwer der Kleingeschenke Segen für die Lieben daheim und die Kollegen in den rauchigen Bureaus unserer kreditverklemmten Unternehmen. Die Krise kommt. Vielleicht. Aber vorher kommen die Geschenke. Und die Wünsche.

Am Ende des Falter-schen Dienstjahres macht die Kolumne von Frau Andrea eine Ausnahme, sie beantwortet keine Fragen, stillt keinen Wissensdurst, bringt kein Licht in die Schatten, sie richtet sich mit einer kleinen Wunschliste an das Salzamt. Hier haben sich, wie stets an den kürzesten Tagen des Jahres, ein paar Herrschaften eingefunden, die sich mit dem Dezemberausklang beschäftigen: eine junge Dame im goldenen Engelshabit, blond die Locken, die Krone in ein Märchen von Haar gesteckt. Rot und weiß ist das Wams des alten Mannes mit dem pigmentlosen Bart, er brummt Ho, Ho und nochmal Ho. Ihm gegenüber: ein eleganter Herr in englischem Tuch, seine Wangen duften nach Divjak’s feinem Cologne. Genagelt sind seine Schuhe, Konfetti schneit ihm von Schultern und Scheitel. Der Herr mit dem großbürgerlichen Habitus ist derangiert vom Schaumwein aus dem Hause Mumm. Monsieur ist uns Brights als Jahresendperson bekannt. Diese Kolumne ist die letzte des Jahres. Sie richtet sich traditionell mit einer Liste von Wünschen an diese drei Herrschaften.

Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, sehr geehrte Jahresendperson! Ihr seid machtlos und scheu. Ihr werdet meine Wünsche zu den anderen in die Lade legen. Aber ich bin unbeirrt wie immer. Möget ihr 2012 doch bitte Folgendes in Erfüllung gehen lassen: 1. Die Wiedereinführung der Zukunft. 2. Die Restauration der Visionen. 3. Einen Rettungsschirm für die Menschen. 4. Die Umverteilung von oben nach unten. 5. Die Trennung von Kirche und Staat. 6. Die Trennung von Staat und Bosheit. 7. Ein Musikgedudelverbot in Gaststätten und Geschäften. 8. Gute Luft in guten Lokalen. 9. Die Einführung von 24-Stunden-Delis nach New Yorker Vorbild. 10. Gutes Wetter.


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