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Falters Zoo | Christopher Wurmdobler, Lisa Kiss | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Ein gutes Jahr! Zum Beispiel für Gewinnerinnen. Nachdem sich Sony-Österreich-Chef Dietmar Lienbacher artig bei Sponsoren, Management und Team bedankt hatte, bat er Christine Hödl, die Siegerin der ORF-Casting-Show "Die große Chance“, am vergangenen Freitag auf die Bühne des Chelsea. Chelsea? Ja, genau. Den Rahmen für die Präsentation ihres ersten Albums "Pure“ hatte sich die sympathische Singer/Songwriterin mit der rauchig-erdigen Stimme selbst ausgesucht, und das (eben-)erdige Gürtelbogenmusiklokal hat ihr dann auch sichtlich getaugt. Produzent und Ex-Falco-Bandleader Thomas Rabitsch begleitete Frau Hödl bei zwei Nummern am Klavier. "Ich musste nur auf ‚Record‘ drücken“, schwärmte er von der einfachen und konstruktiven Zusammenarbeit mit der Musikerin während der Produktion des Albums, die in nur sieben Tagen erledigt war. Von den Liedern zeigte sich nicht nur Rabitsch, sondern auch das zahlreich erschienene Publikum begeistert.

2011 war natürlich auch ein gutes Jahr für Gewinner. Auch wenn’s die Belohnung erst Ende Jänner gibt. Kurz vor Schluss wurden die Nominierungen für den Österreichischen Filmpreis bekanntgegeben, den die Akademie des Österreichischen Filmes verleiht. Akademie-Präsident Karl Markovics ist mit seinem Film "Atmen“ gleich sechs Mal nominiert (unter anderem bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und bester Thomas Schubert). Bei der Gelegenheit präsentierte Markovics dann gleich mit Präsidenten-Kollegin Barbara Albert (nicht nominiert) die neue Preisskulptur für den zum zweiten Mal stattfindenden Award-Regen, ein fast dreieinhalb Kilo schweres Trumm, das sich Valie Export ausgedacht hat. Kein Oscar, sondern eine Alu-Wendeltreppe mit Betonsockel. Führt die jetzt rauf oder runter?

Ach ja, apropos große Chancen: Die große Vierschanzentournee steht ja auch wieder an, und da sieht man regelmäßig den Namen Thomas Morgenstern. Kurz vorher tauchte der Skispringer in einer Filiale des Möbelhauses Kika auf, um sich dort eine lustige rote Rudolph-Rentier-Nase aufzusetzen und sich mit Unternehmer Paul Koch fotografieren zu lassen. Nicht auf einer Sprungschanze, sondern auf einem Lauftrainer. Morgenstern nämlich wird 2012 beim Vienna City Marathon in der Staffel mitlaufen. Für das Möbelhaus. Für den guten Zweck. Die Clowndoktoren. Ach so: doch kein Rentier.

Gewinn macht wohl auch die Weichgetränkeindustrie. Wie bringt man bei Fast-Minus-Temperaturen die Leute dazu, eisgekühltes Coca-Cola zu wollen? Indem man am letzten Adventwochenende die braune Brause als etwas Weihnachtliches darstellt, einen riesigen Truck vorm Palais Schwarzenberg abstellt und Natasha Bedingfield ein paar X-Mas-Songs sowie eigenen Pop zum Besten geben lässt. Gratis. Als Abschluss der "Coca-Cola Weihnachtstruck-Tour“.

Gewonnen hat auch Anne Teresa De Keersmaeker. Die Belgierin, die mit ihrer Tanzkompanie Rosas unzählige Male bei Impulstanz zu Gast war (und uns mit einem Stück heuer, ehrlich gesagt, ziemlich viel Nerven gekostet hat), erhielt vom Kulturstadtrat das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Verstehen wir jetzt zwar nicht so, also die Sache mit den Verdiensten, hat Frau Keersmaeker aber offenbar verdient. Wir freuen uns mit ihr und Ihnen. Auf ein schönes neues Krisenjahr. Auf eine neue Schangse.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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