Tiere

Hitliste

Falters Zoo | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Im Blick zurück entstehen Dinge, die dazu führen, dass wir uns finden.“ Dieses schöne und poetische Zitat stammt von der Diskurs-Rockband Tocotronic und ist sicherlich Leitmotiv all jener Medien, die uns vor Weihnachten mit Hitlisten der Jahresbesten erfreuen. Als Zoologe, der in hierarchischen Stammbäumen denkt, bin ich natürlich ein Freund der konsequenten Ordnungssysteme, die für Sicherheit und Orientierung sorgen. Wer war also Nummer eins im Jahr 2011? Die rumänische Sängerin Alexandra Stan war mit "Mr. Saxobeat“ am längsten Nummer eins der österreichischen Top Ten. Ja, so geht das Leben an einem vorbei, wenn man sich listenmäßig nicht stets up to date hält.

Auch der WWF hat eine Liste mit tierischen Verlierern und Gewinnern dieses Jahres veröffentlicht. Das klingt besser als diese von Zählzwang dominierten Reihungen. Yes, Winners and Losers. Wie auf der Börse, und da weiß man dann auch, auf wen man im nächsten Jahr setzen soll. Nashörner - wen wundert’s - verloren 2011 zuerst ihre Hörner, dann ihr Leben. Letzteres so wie Knut, der Knuddelbär, der bei einer Googlesuche sogar als Absteiger angeführt wird. Das ist unfair und sicherlich vom Opus Dei lanciert, der glaubt, dass Tiere keine Seele haben und in die Hölle kommen.

Als weitere Verlierer werden Störe (Kaviar), der Irawadidelfin (Netzfischerei) und Grauwale (Lebensraumzerstörung durch Ölplattformen) angeführt.

Zu den Gewinnern hingegen zählen jene Tierarten, die in Europa zu einer Art neuen Haustieren aufsteigen. Quasi Streichelwildtiere, die Pelz und Gesichter besitzen und vor allem dem Menschen nicht in die Quere kommen, weil sie nur mehr in kleinen, kontrollierten Refugien leben: der Europäische Luchs (Wildnis-Dekoration), Przewalski-Wildpferde (300 freilebende Tiere) und der Berggorilla (Tourismusattraktion in Nationalparks). Sieger sehen anders aus.

So zum Beispiel wie Opus, ein Schimmel, der einer jordanischen Prinzessin zwei Millionen Franken wert war. Oder die Tibetdogge Hong Dong, die ein Kohlemagnat aus Nordchina heuer um 1,1 Millionen Euro erworben hat. Platz drei belegt eine Designerkatze einer kalifornischen Biotechnikfirma. Als Kreuzung zwischen einem Leoparden, einer Hauskatze und einem Serval wurde sie 2011 um 28.000 US-Dollar gehandelt. Oder wie es Tocotronic formulieren würden: "Reine Vernunft darf niemals siegen“!

Peter Iwaniewicz ist Biologe und so listenreich wie weiland der Halbgott Odysseus

zeichnung: püribauer.com


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