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Verführung und Tücke Beton gewordener Utopien

Lexikon | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Zuerst ein Sprung ins kühle Nass, dann der Aufprall und eine blutige Nase; aber schon die hässlichen Bauten im Hintergrund verhießen nichts Gutes. Der Künstler Cyprien Gaillard bringt in seinem Video "The Lake Arches“ in schlichten Bildern ein kompliziertes Verhältnis auf den Punkt: Die Fortschrittsverheißungen (post-)moderner Architektur, für die die Betonklötze von Ricardo Bofill stehen, und der harte Aufprall auf dem Boden sozialer Realität. Gaillards Video läuft in der Ausstellung "Erschaute Bauten“ im Mak, die vor allem Kunstfotografie von Architektur zeigt.

Das Zentrum der Schau bilden Fotos von Rudolf Schindlers Gebäuden in Los Angeles, die Außenstellen des Mak beherbergen. Während Candida Höfers Fotos der schartenartigen Fenster im Schindler House verehrungsvoll ausfallen, treiben die Aufnahmen von Hiroshi Sugimoto und Luisa Lambri die bauliche Abstraktion bildlich weiter voran. Eine elektronische Komposition des Künstlers Liam Gillick begleitet das durch seine Eleganz fesselnde Video "Points on a Line“ von Sarah Morris. Diese Hommage an den International Style, die Morris in Gebäuden Philip Johnsons und Mies van der Rohes produzierte, kann als Plädoyer für die Erhaltung der Moderne ebenso gelesen werden wie als Zeugnis ihres Elitarismus.

Die Arbeiten der Künstler Dorit Margreiter, Andreas Fogarasi und Werner Feiersinger waren in Wien größtenteils schon zu sehen, sie gewinnen aber durch den internationalen Kontext. Die Fotokünstler Andreas Gursky und Andreas Struth dürfen in einer Schau zu dem Thema natürlich nicht fehlen; an der Vermittlung ihrer unterschiedlichen Ansätze hapert es aber. Was an Saaltexten gespart wurde, floss in das Mak/Zine, ein aufwendiges neues Vermittlungsmagazin. NS

Mak, bis 22.4.


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