Neu im Kino

"The Ides of March“ - ein Thriller auf der Politbühne

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Dass dieser Mann einsam ist, sieht man gleich. Ryan Gosling, Hollywoods neuer großer Einsamer, steht allein auf einer Bühne und spricht in das Dunkel eines leeren Saals. Das Einzige, woran er wirklich glaube, sei die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Im nächsten Moment gehen die Lichter an, und die Mikrofonprobe für die Rede seines Chefs, des Präsidentschaftskandidaten, ist zu Ende.

So wie diese die Erwartungen gewitzt, aber konventionell umspielende Volte funktioniert im Grunde der gesamte Film. Vordergründig handelt "The Ides of March“ vom Vorwahlkampf zweier Demokraten in Ohio, wobei nur einer eine Rolle spielt: Gouverneur Mike Morris (Clooney) werden dank seines erfahrenen Wahlkampfleiters Paul (Philip S. Hoffman) und seines Politberaters Stephen (Gosling) gute Chancen aufs Weiße Haus eingeräumt, doch das eigentliches Ass des graumelierten Saubermanns ist seine moralische Integrität. Weil "The Ides of March“ aber davon erzählen möchte, dass auf der Politbühne nichts so ist, wie es scheint, und ein kleiner Fehltritt genügt, um gehörig Schmutzwäsche anzuhäufen (Überraschung!), ist es also nur eine Frage der Zeit, bis Stephen seine Überzeugung gegen Zynismus tauscht.

Das eigentlich Spannende an diesem Film ist also zu beobachten, dass das, was Clooney an Politik interessiert, mit Politik eigentlich nichts zu tun hat. "The Ides of March“, basierend auf dem vor drei Jahren entstandenen Theaterstück "Farragut North“, gibt nämlich vor, ein politischer Film zu sein, erzählt aber bloß von Politik. Die zahlreichen Winkelzüge, derer sich alle Beteiligten bis auf Evan Rachel Wood als arme Praktikantin bedienen, fügen sich perfekt in einen gediegenen Thriller, der die Politbühne als reines Schauspiel betrachtet und damit immerhin seinem Titel gerecht wird.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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