Neu im Kino

Mollig-prollige Rap-Farce: Sido-Biopic "Blutzbrüdaz“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Der Privatsender ORF eins zeigt ihn als Coach für original Chancenlose unter jenen, die - ohne dass es so etwas wie soziale Verhältnisse gäbe - individuell deklassiert sind; ins Kino kommt Sido mit "Blutzbrüdaz“. Özgür Yildirims Burschenfilm ist angelehnt an die Biografie des Berliner Blockrappers - lose genug, dass er ohne Maske und Vergewaltigerpose auftreten kann. Drei homophobe Sager müssen schon sein, als Authentizitätssignal an Kinderzielgruppen; Frauen gelten in der Welt, die hier (in Brauntönen und handyscreengerechter Nichtausstattung) beschworen wird, eh nicht als fähig zu Erfahrung. Letztere reduziert sich hier auf Weigerung, sich zu "bücken“; Rap meint hier Kundgabe männlicher Selbstdurchsetzungswünsche; Drama heißt Freestyle-Verratsanklage an alte Kumpelz (das will "8 Mile“ sein, gerät aber zur ernstgemeinten Version von Joaquin Phoenix’ Rap-Farce "I’m Still Here“), und Leben ist ein Leistungstest. Ergo hat sich Sido für die Rolle 20 Kilo raufgefressen und wirkt so dackeläugig-mollig süß, dass man ihm - wenn er schon einen Marvin-Gaye-Song verhunzt und sich hier Otis nennt - raten möchte, es mit Otis Redding zu halten: Try a little tendernezz, Oida.

Ab 30.12. in den Kinos


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