Neu im Kino

Und jeder sucht sein Kätzchen: "The Future“

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Nach dem Überraschungserfolg ihres rührend verschrobenen Spielfilms "Me and You and Everyone We Know“ (2005) standen der Performancekünstlerin Miranda July die Türen der Film- und Festivalwelt weit offen. Trotzdem haben wir sechs Jahre auf den Nachfolger gewartet. Und hier ist er: "The Future“, eine Drehbuchzusammenarbeit mit dem Schauspieler Hamish Linklater, der an ihrer Seite auch die männliche Hauptrolle spielt.

Der Titel ist ironisch zu begreifen, geht es doch um ein Paar Ende 30, dem genau das - eine gemeinsame Zukunft - mitnichten bevorsteht. So viel verdeutlicht die einzige Szene, die einen laut auflachen lässt: Frau und Mann mit MacBooks auf dem Sofa, planlos Youtube-Videos schauend, durstig, aber zu faul, sich oder dem jeweils anderen ein Glas Wasser zu holen.

So optimistisch der Tonfall von "Me and You“, so pessimistisch und untergründig eine ganze Generation anklagend ist nun der von "The Future“: Die Gespräche dieser beiden in ihrer Studentenbude gealterten Slacker sind armselig. Keiner weiß, was er vom Leben will, dabei ist die erste Hälfte doch offenbar vorbei. Also soll eine Katze her, eine möglichst arme, deren Pflege Sinn stiftet.

Die im Tierheim auf Abholung hoffende Katze fungiert nun mit Julys aus dem Off wispernder Stimme als Erzählerin des Films. Das ist in der Theorie vielleicht ganz originell, auf der Leinwand wirkt der subjektive Blick der Katze auf zwei Fellpfoten, die am Käfiggitter kratzen, dann doch ziemlich albern. Das Pathos steigert sich ins Groteske, man weiß nicht, ob man lachen oder weinen oder sich ertappt fühlen soll. Ein crazy Einfall Michel Gondry’scher Prägung jagt den nächsten. In Summe ergeben sie aber - anders als bei "Me & You“ - keinen Film. Am Ende verlässt man das Kino erstaunlich ungerührt.

Ab 30.12. in den Kinos (OmU im Gartenbau und Top)


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