Windschiefes Designerkino: "Cheyenne“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Beschattet einer nachts ein Haus. Da geht ein Dicker im hautengen Batman-Kostüm vorbei und sagt Hallo. Aus solchen Momenten sind die Filme des Italieners Paolo Sorrentino gebaut: Kino als Kuriositätenkabinett. Nachdem er zuletzt in "Il Divo“ italienische Politgeschichte als Groteske nachgestellt hat, bereist Sorrentino in "Cheyenne - This Must Be the Place“ die USA. Dass sich unterwegs sein Markenzeichen-Manierismus nicht verliert, dafür sorgt schon die von Sean Penn verkörperte Hauptfigur. Als vom Leben lädierter Gothrockstar Cheyenne schaut Penn aus wie eine Tante von Edward mit den Scherenhänden und spricht mit einer weichen, wimmernden Stimme, als könnte jeder scharfe Laut einen Schlaganfall auslösen. Dass diese Performance das bloß Schrullige nie transzendiert, ist weniger Penns Schuld als die seines Regisseurs. Dem ist alles, was er hier auftürmt - von virtuosen Kamerakranfahrten und munteren Nebendarstellerveteranen (Judd Hirsch, Harry Dean Stanton) bis zur Story um die Jagd nach einem untergetauchten Naziverbrecher - bloß Material für wohlfeil windschiefes Designerkino.

Ab 6.1. in den Kinos (OmU im Gartenbau)


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