Das Grazer Schauspielhaus schickt Schillers "Don Carlos“ im Kreis herum

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 51/11 vom 21.12.2011

Die Drehbühne eignet sich wunderbar als Metapher. Für den Kreislauf der Dinge, für die Wiederkehr des Immergleichen. So auch in Damian Hitz’ Bühnenbild für den "Don Carlos“ am Schauspielhaus. In bedrückender Eintönigkeit präsentieren sich die Ansichten einer aus der Zeit gefallenen Repräsentationsarchitektur, inspiriert von einer Villa der Industriellen Thyssen: Dunkle Holzvertäfelungen, Leere, Macht und abgelebte Tradition bestimmen die Räume, in denen Regisseur Ingo Berk ein Kammerspiel der Leidenschaften und höfischen Intrigen inszeniert, das weltpolitische Folgen zeitigt. Mit "Don Carlos“ hat Friedrich Schiller den Herrschenden vor Augen geführt, dass ihre menschlich bestimmten Handlungen blutige Geschichte schreiben. Daher hängt auf Hitz’ Bühne Francisco de Goyas Kinder verschlingender Saturn. Berks filmische Inszenierung legt den Fokus ganz auf die monströse Bedeutung einer Welt, in der Ehebruch den Staat zerbricht und private Leidenschaft Leiden schafft. Die Regie lässt Schillers Emotion gegen die Holzvertäfelung anrennen. Und gegen den plakativen Dies-Ire-Sound, der die Bühne auf ihren monotonen Kreistänzen begleitet. Claudius Körber ist ein emotional zerrütteter Don Carlos, dessen Taumel vor der Eintönigkeit der Macht beinahe lächerlich wirkt, Gerhard Balluch ein bemüht zerrissener König, Birgit Stöger eine souveräne Königin und Leon Ullrich ein glaubhaft uninteressanter Held. Sie alle werden von Berks Inszenierung an die Wand gespielt, die alles in stummer Zähigkeit präsentiert. Als fatalen Kreislauf des Unausweichlichen. Theater für Ausdauernde.

Schauspielhaus Graz, 28.12., 19.30


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