Meinesgleichen Exklusiv: Wolfgang Fellner meint es ernst

Falter & Meinung | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Es gibt wohl keinen österreichischen Medienmacher, der mehr Missbrauch mit dem Wort "exklusiv“ getrieben hätte als Wolfgang Fellner. Seine Blätter hatten noch die Sonne exklusiv, auch wenn sie auf alle scheinen mochte. Man konnte das als Entgleisungen eines Größenwahnsinnigen belächeln, dessen Äußerungen man halt durchgehen lässt, man kennt ihn ja persönlich, er meint es ja nicht so, er meint es ja lustig, nehmts ihn nicht so ernst! Wenn er sich in einem seiner Medien als "Sieger“ auf die Brust trommelte, wurden die Gorillas im Nebel blass, egal, was er gerade gewonnen hatte. Außerdem hatte er eine journalistische Pratzn, das muss ihm der Neid lassen. Ob er Interviews mit Menschen druckte, die nie welche gegeben hatten, ob er den letzten Willen von Verstorbenen mit Füßen trat - egal: Er wollte immer nur spielen.

Es spielt ja keine Rolle. Die publizistische Kultur des Landes ist längst im Eimer, es kann kaum mehr abwärts gehen. Es geht aber, man möchte es nicht glauben, immer noch ein bisserl tiefer. So hatte die Kronen Zeitung dieser Tage einen Vergleich der Mediaprint mit Österreich zu veröffentlichen, der ihr den Gebrauch des Wortes "exklusiv“ untersagt. Es ist nicht der erste Prozess in dieser Sache, aber er zeigt, dass man Fellner falsch eingeschätzt hat. Er ist doch kein Humorist. Er will nicht, indem er die Sonne exklusiv zu haben vorgibt, die Lächerlichkeit allen irdischen Treibens dartun. Fellner meint es ernst! Das ist in der Tat besorgniserregend.

Quelle:

Kronen Zeitung vom 8.1.2012, Seite 3 "Vergleich“ vom 7.2. 2011


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