Kommentar  Asyl

In Österreich ankern weder Kinder noch die Asylindustrie

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Wer in einem Alter, in dem das prägendste Ereignis der erste Kuss oder das erste Nichtgenügend sein sollte, alleine quer durch Kontinente flüchtet, der gilt als Kinderflüchtling.

Als "Ankerkinder“ bezeichnet sie hingegen der Leiter des Asylzentrums Traiskirchen, also als Kinder, die von ihren Eltern wie ein Anker in den reichen Westen geworfen würden, damit diese "nachflüchten“ könnten. Die Asylwerberzahlen seien 2011 um 30 Prozent gestiegen, klagt Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP)und warnt, Österreich werde "Zielscheibe der Schlepperindustrie“.

2011 kamen mehr Asylwerber, weil im Jahr davor die Zahl um 64 Prozent zurückgegangen war. Aber auch, weil Ereignisse wie der arabische Frühling, vom offiziellen Österreich bejubelt, mehr Flüchtlinge produzierten.

Die Zahl der Asylwerber aus Syrien hat sich in diesem Jahr auf 382 Personen verdoppelt. Der Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und der De-facto-Sieg der islamistischen Taliban in diesem Kriegsland spiegelt sich in der Verdoppelung der Asylanträge von Afghanen wider. Nach der Hungerkatastrophe im Warlordstaat Somalia kamen 2011 statt 190 gleich 535 Somalis als Asylwerber zu uns.

Dass Flüchtlinge, die alleine nach Österreich kommen, immer öfter erst 13 oder 14 Jahre alt sind, sollte die Politik nicht überraschen: Seit Jahren erklären die Behörden mittels Handwurzelröntgen, Schamhaarscreening und Ähnlichem jugendliche Asylwerber im Zweifel zu Erwachsenen. Wen wundert es, dass die Eltern in Krisenregionen immer jüngere Kinder auf die Flucht vor Krieg und Verfolgung schicken? Nicht als Anker, sondern damit zumindest die Kinder eine Chance auf ein Leben in Sicherheit haben


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