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Das Imperium schlägt zurück

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Das neue Jahr beginnt mit einer so schlechten wie alten Nachricht: Die europäischen Staaten befinden sich im Griff einer Finanzkrise, bei der es noch immer unklar ist, mit welchen Mitteln sie zu überwinden sei. Selbst die Meinungen darüber, was den Kern der Krise ausmache, gehen unter den Wirtschaftswissenschaftlern so weit auseinander, dass scheinbar die Grundlage für eine Diskussion fehlt.

In der Kulturzeitschrift Lettre International ist unter dem Titel "Die Krisen des demokratischen Kapitalismus“ ein Aufsatz erschienen, in dem der deutsche Ökonom, Politologe und Soziologe Wolfgang Streeck ein wenig Ordnung bringt in das Gemurkse.

Streeck, Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln, vertritt die These, dass die Krise keine "Störung“ innerhalb des Systems sei, sondern quasi ein "Normalzustand“ im Machtkampf zwischen kapitalistischen Märkten und demokratischer Politik. Die zwei Felder funktionierten nach unterschiedlichen Prinzipien, und die Politik müsste theoretisch beiden gehorchen. Weil sich das "nie ganz auf einen Nenner bringen“ lässt, verlieren Regierungen entweder ihre Wähler oder sie lösen ökonomische Störungen aus.

Die Technokratie-Regime in Griechenland und Italien lesen sich in diesem Sinne als Angriff des Finanzimperiums auf die Demokratie.

Wolfgang Streeck: Die Krisen des demokratischen Kapitalismus. In: Lettre International, 2011, Nummer 95, € 11,90


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