Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Tod eines Naziveteranen, der die Werte der FPÖ gelebt hat

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Zeit seines Lebens machte der vergangene Woche verstorbene Otto Scrinzi kein Geheimnis aus seiner rechtsradikalen Gesinnung. Warum hätte er auch sollen, konnte man doch als Naziveteran Karriere machen in der Zweiten Republik. So wurde der studierte Nervenfacharzt im Jahr 1955 zum Primarius der psychiatrischen Männerabteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt ernannt.

Weit bekannter und berüchtigter als der Arzt Scrinzi war aber der politische Mensch und Politiker. Während der NS-Zeit war er SA-Sturmführer und Mitglied der NSDAP, Mitgliedsnummer 7897561. Ab 1940 arbeitete er als Assistent am Institut für Erb- und Rassenbiologie der Universität Innsbruck.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Scrinzi Mitbegründer des VdU (Verein der Unabhängigen), der Vorgängerorganisation der FPÖ. Für die Freiheitliche Partei saß er von 1966 bis 1979 im Nationalrat, zwischen 1966 und 1974 sogar als stellvertretender Parteichef. Unter FPÖ-Chef Norbert Steger überwarf er sich mit den Blauen wegen ihres damals liberalen Kurses und gründete 1984 die National-Freiheitliche Aktion.

Erst nach Jörg Haiders erfolgreichem Putsch gegen Steger 1986 fand Scrinzi zur FPÖ zurück.

1980 zitierten ihn die Salzburger Nachrichten mit dem Satz, dass er politisch "schon immer rechts war, auch innerhalb der NSDAP“; vier Jahre später, 1984, war im Profil von ihm zu lesen, dass es "nützlich“ wäre, "wenn sich die Unterbegabten in der Bevölkerung sterilisieren lassen würden“.

FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache sieht sich Scrinzis Biografie bis heute verpflichtet und sagte zu dessen Ableben, der Verstorbene sei jemand gewesen, "der die Werte unserer Gesinnungsgemeinschaft immer gelebt hat“. Auch das offizielle Österreich zollte Scrinzi Respekt, war er doch Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Repuplik. Am 2. Jänner ist der gebürtige Tiroler im Alter von 93 Jahren verstorben.


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