Mediaforschung  Nachfragekolumne

Herr Merlicek, warum bohrt dieser junge Mann in der Nase?

Medien | Vera Bandion | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Ein fescher junger Mann steht vor einer gemusterten Tapete. Er trägt ein weißes Hemd und eine vor Haargel strotzende Frisur. Mit großen grünen Augen starrt er den Betrachter an. Und bohrt dabei ungeniert in der Nase. "Falls Ihre Nachfolge noch nicht bereit ist“ steht über der hochgegelten Haarpracht. Dann helfen die Spezialisten des Bankhauses Spängler aus. Die haben "für alles eine Lösung“, behauptet die Agentur Demner, Merlicek & Bergmann.

Sie hat für die Bank die neue Werbekampagne entwickelt. Auf den vier unterschiedlichen Sujets sind stets unreife Unternehmersprösslinge abgebildet. Da bohrt der Nachwuchs in der Nase, versteckt sich unter dem Schreibtisch oder ist shoppingsüchtig.

Aber was hat ein Geldinstitut mit solchen Familienproblemen zu tun? Das Salzburger Bankhaus bietet eine ungewöhnliche Dienstleistung an: Es will Familienunternehmen bei Vermögensübergaben oder Nachfolgeregelungen helfen. "Family-Management“ heißt das Service.

"Die Bankberater schlagen den Eltern zum Beispiel vor, in welche Schule sie ihr Kind schicken könnten“, sagt Franz Merlicek, Creative Director der Kampagne. "Es ist doch schön, was einem geboten wird, wenn man viel Geld hat.“ Das ist was.

Dass diese Form der Beratung weit über das Kerngeschäft herkömmlicher Banken hinausgeht, räumt selbst der Werber ein. "Das kann man natürlich auch als eine Art Therapie bezeichnen“, sagt er, "wenn eine Bank so weit in Familienangelegenheiten eingreift.“


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