Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

TV-Kolumne

Doku-Soaps leben von den Gefühlen des Ekels, die die existenziellen Untiefen anderer in uns auslösen. Die Fernsehkamera verschafft dabei Zugang zu Zonen, die aufgrund von Standards des Schamgefühls dem Auge des Nachbarn verborgen bleiben. Um diese Verletzung der Privatsphäre zu rechtfertigen, führt die Dramaturgie die Figur des Therapeuten oder Pädagogen ein, der aus Kleinkriminellen Rapper oder Friseusen macht.

Eine Variante des Genres ist die Serie Das Messie-Team (RTL 2), die ein Bauernhaus im Allgäu zeigte, in dem ein Ehepaar Bildschirme, Essensreste und leere Haarspraydosen sammelt. In den Gängen liegt eine zentimeterdicke Schicht alter Katzenscheiße. Auch Mäuse geraten in den Fokus der Kamera, was darauf schließen lässt, dass die Katzen vor so viel Dreck das Weite suchten. Der Brechreiz trieb den Rezensenten rasch in ein anderes Programm. So entging ihm, wie die Therapeutin das Messie-Pärchen zu Museumskustoden erzog.


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