Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Kasperl der Welt der Woche

Bauernjazz aus Hinterwieselharing

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Pädagogisch wertvoll? Ach was. Gut sind Kinderhörspiele, die auch bei wiederholtem Einsatz Freude bereiten. Richtig gut sind solche, bei denen die Erziehungsberechtigten selbst bei der zigsten Wiederholung noch die Nerven bewahren. Die besten Hörspiele schließlich sind jene, die Kinder lieben - und die sich Erwachsene auch einmal ganz alleine anhören.

Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater von Richard Oehmann und Josef Parzefall spielt seit einigen Jahren in dieser Liga. Ihr Kasperl ist ein lebenslustiger Hallodri aus dem bayrischen Fantasiedorf Hinterwieselharing, der eine erdig-direkte, dabei aber nie vulgäre Sprache spricht. Mit der Infantilität und der strikten Schwarz-Weiß-Welt des althergebrachten Kasperltheaters hat Doctor Döblinger ebenso wenig am Hut wie mit eindimensionalen Handlungsverläufen.

Abenteuer wie "Kasperl und die wahre Liebe“ oder "Kasperl und das Kugeleis“ leben von unkonventionellen Ideen und absurden Wendungen; die auftretenden Figuren sind so charmant wie charakterstark. Da gibt es etwa den lustigen Zauberer Gottlieb Wurst, die liebenswerte Hexe Anneger Studlhofer, den kaum aus der Ruhe zu bringenden Wachtmeister Anselm Wirsing, die stets besorgte Großmutter, Kasperls besten Freund, den einfach gestrickten Seppl, oder den furchtbar uncoolen Prinz Jochen.

Neun Hörspiele sind bisher erschienen, als zehnte Veröffentlichung liegt jetzt die fidele Liedersammlung "Xingel-Xangel - Etliche Kasperl-Lieder“ vor, die kindergerechten Bauernjazz mit Geblödel auf hohem Niveau kombiniert. Musikalische Unterstützung bekommen die Figuren aus den diversen Kasperlgeschichten von prominenten Gästen wie Micha Acher (The Notwist) oder dem bayrisch-japanischen Ukuleleduo Coconami.


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